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  Ausgabe
   10-12-2016

Orgel

Nachdem im Jahr 2005 die einzigartige, von Prof. Helmut Bornefeld gebaute Orgel der Hospitalkirche sehr erfolgreich renoviert und erweitert wurde, hat die Hospitalgemeinde eine wichtige Voraussetzung für künftige Veranstaltungen erhalten. Die bisher klangundurchlässige Brüstung der Orgelempore wurde im Zuge der Renovierungsmassnahmen geöffnet, davon werden Chöre, Solisten und die Orgel akustisch profitieren.

„Die Orgel der Hospitalkirche ist ein Solitär“, adelt der Kirchenmusikdirektor und Orgel- sachverständige Professor Volker Lutz das Instrument.  Als einzige Kirchenorgel Stuttgarts wurde sie von dem Komponisten Helmut Bornefeld (1906-1990) geplant und eigenhändig intoniert, und sie gilt als avantgardistisch und denkmalwürdig.
Kirchenmusikdirektor Schwab, Kantor und Organist an der Hospitalkirche: „Alle Maß- nahmen dienten dazu, die historische Substanz zu erhalten, sie technisch auf den heutigen Stand zu bringen, ein unmittelbareres Spiel- gefühl herzustellen und eine dem Bornefeld-Stil angemessene Erweiterung zu realisieren.“

Die DVD kann zum Preis von 15,-EUR über das Pfarramt der Hospitalkirche bezogen werden.

 Zur Geschichte der Renovierung

Die Orgel wurde 1961 von der Firma Weigle gebaut und hatte damals 33 Register mit hochwertigem Pfeifenmaterial und seltenen Klängen. Weil die Orgel für die neueren Anforderungen in Gottesdiensten und Konzerten zu klein bemessen war, wurde sie von 1984 bis 2005 in fünf Stufen erweitert, renoviert und technisch verbessert. Es wurden insgesamt sieben neue Register sowie eine elektronische Setzeranlage (zur Speicherung vorprogrammierter Registrierungen) eingebaut, die auch kompliziertesten Stücken gewachsen ist.
Im November 2004 begann die fünfte und vorläufig letzte Stufe der Orgelrenovierung. Im Hauptwerk wurde eine neue Windlade installiert (ein Holzkasten, auf dem die Pfeifen stehen und mit Wind versorgt werden). Auf dieser Windlade wurden die Pfeifen neu und akustisch besser aufgestellt. Dabei entstand eine konsequente C-Cis-Aufteilung (symmetrische Aufstellung), was einen „Stereoeffekt“ bewirkt. Nicht zuletzt wird der Wind bei vollgriffigem Spiel nicht mehr „zusammenbrechen“. Hinzu kam eine selbstregulierende neue Paralleltraktur (Verbindung zwischen Tasten und Pfeifen), die ein sensibleres Spiel ermöglicht. Der Organist spürt schneller und genauer, wie die Ventile und Pfeifen reagieren. Und schließlich gibt es eine neue Suboktav-Koppelung (sie kombiniert Teilwerke oktav versetzt untereinander), so dass der Gesamtklang runder, wärmer und fundierter wird. Eine wesentliche Folge der neuen Windlade ist, dass Platz für neue Register gewonnen wurde. Es handelt sich dabei um ein flötendes Gedackt (voller Flötenton), eine zartstreichende Hartpfeife (samtiger Streichton) und eine Terzflöte (meditativer Ton). Nach dem Ausräumen der Pfeifen traten etliche Schäden zutage, die den Einbau einer neuen Windlade zusätzlich rechtfertigten.

Der Orgelsachverständige der Evang. Landeskirche Württemberg, Professor KMD Volker Lutz, schreibt in seinem Abnahmegutachten:
“Sämtliche Arbeiten sind gewissenhaft und mit handwerklichem Können und Geschick ausgeführt. Die Orgel präsentiert sich in technisch hervorragendem Zustand. Klanglich hat sie sehr gewonnen, zum einen durch die nun abgeschlossene Rückführung in den Klangcharakter von 1961, zum anderen durch die vorgenommenen Erweiterungen. Sie beheben die 1961 noch nicht so empfundene Einseitigkeit und bieten jetzt die Möglichkeit, auch romantische Literatur angemessen darzustellen. Darüber hinaus hat die Orgel an Farbigkeit und Differenzierungsmöglichkeiten auch für die anderen Stilbereiche und für  gottesdienstliches Improvisieren ganz wesentlich gewonnen. Sehr positiv hat sich auch die Öffnung der Emporenbrüstung ausgewirkt, die den Klang der Orgel und besonders des Haupt- und Oberwerks deutlich präsenter macht.
Den beteiligten Orgelbauern und speziell dem Intonateur Reinhard Metzger kann man zum guten Ergebnis ihrer einfühlsamen und stilsicheren Arbeit nur gratulieren - und ebenso denen, die die Orgel künftig spielen und hören.”


Helmut Bornefeld
      * 14.12.1906 in Stuttgart, + 11.02.1990 in Heidenheim
siehe auch www.helmut-bornefeld.de

Schwäbischer Komponist, Orgelbauer und Heidenheimer Kirchenmusikdirektor. Professor Bornefeld hat viele Orgeln im weiten Umfeld seiner späteren Heimat Ostalb, aber auch in Hessen erschaffen, wobei er als Planer und Designer wirkte und nach dem handwerkliche Bau das Instrument intonierte, also stimmte und einspielte.
In Stuttgart gibt es von Bornefeld nur noch die Orgel in der Liederhalle.

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